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Werbeagentur Hannover: Fahrzeug der Werbeagentur Schulz-Design beschädigt

Diebe stehlen Katalysatoren in Tiefgarage

Polizei registriert starken Anstieg in Laatzen und der Region Hannover / Edelmetalle sind begehrt

Von Astrid Köhler (Leine-Nachrichten)

Laatzen-Mitte. Dass Kriminelle Autoscheiben einwerfen oder die Keyless-go-Technik missbrauchen, um teure Technik aus Fahrzeugen auszubauen, ist hinlänglich bekannt. Nun zeichnet sich ein neuer Trend beim Autoteilediebstahl ab: Diebe kriechen unter geparkte Autos, um den Katalysator aus der Karosse herauszutrennen. Der Laatzener Thorsten Schulz ist vergangene Woche Opfer eines solchen Diebstahls geworden – und er ist längst nicht der Einzige in der Stadt.

Als er seinen Wagen am Donnerstag starten wollte, habe dieser plötzlich laut aufgeheult, berichtet Schulz. Er habe gedacht, der Auspufftopf seines 20 Jahre alten BMW 316i sei abgerissen. Erst in der Werkstatt erfuhr der 51-Jährige den wahren Grund: Diebe hatten unbemerkt den Katalysator aus der Abgasanlage herausgetrennt. Dabei stand der Wagen in der Tiefgarage an der Domagkstraße, die auch noch mit einem Rolltor gesichert ist und in der Videokameras installiert sind.

Schon drei Fälle in Tiefgarage

Allein aus diesem Parkhaus wurden der Polizei in Laatzen bis April noch mindestens drei weitere Kat-Diebstähle gemeldet, teilte der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, Stefan Säfken, mit. Betroffen waren neben Schulz’ BMW noch ein Opel Astra sowie ein Fiat Barchetta.

Die Diebe interessieren sich weniger für den Katalysator selbst als für die darin verbauten Rohstoffe und Edelmetalle. Die Abgasreiniger enthalten unter anderem Palladium, Rhodium und mehrere Gramm Platin. Allein der Preis für Platin ist im vergangenen halben Jahr um rund 40 Prozent gestiegen. Dies erklärt auch, warum die Zahl der Kat-Diebstähle zuletzt stark angestiegen ist.

Für 2017 registrierte der ADAC auf Basis seiner Pannenberichte 38 Fälle mit gestohlenen Feinstaubfiltern. Im Jahr darauf waren es schon 77 und 2019 dann bundesweit 169 Fälle. Vergangenes Jahr stieg die Zahl erneut rasant an auf 420. Besonders betroffen sind den Schadensberichten zufolge ältere Opel Astra und VW Polo. Die Reparaturkosten summieren sich Schätzungen zufolge auf Beträge zwischen 500 und 2000 Euro. Da die Feinstaubfilter an älteren Wagen häufig einen hohen Edelmetallanteil aufweisen, machen sich Kriminelle gezielt an diesen zu schaffen. Einige Schnitte mit einem Profilrohrschneider oder einer Akkuflex unter dem rasch aufgebockten Wagen reichen aus – und der Katalysator ist ab. Der Diebstahl dauert mitunter kaum eine Minute.

Das Geschäft mit gestohlenen Katalysatoren boomt auch in der Region. Meldete die Polizeidirektion Hannover für die Jahre 2018 und 2019 insgesamt nur 27 Diebstähle von Katalysatoren in der Region, stieg die Zahl im vergangenen Jahr sprunghaft an – auf 124. Damit haben sich die Fälle mit geklauten Feinstaubfiltern gegenüber dem Durchschnittswert der Vorjahre fast verzehnfacht.

Acht Diebstähle seit Januar

Der Polizei in Laatzen sind seit Jahresbeginn schon acht Fälle gemeldet worden. Das sei ein erheblicher Anstieg und mehr als in den fünf Jahren davor zusammengerechnet, betont Säfken. Es könnten noch weitere Fälle aus Onlineanzeigen hinzukommen. Diese sind in der Zahl mitunter noch nicht erfasst.

Zuzüglich der drei bestätigten Fälle aus der Tiefgarage Domagkstraße gingen seit Januar im Kommissariat fünf Anzeigen wegen gestohlener Katalysatoren aus Laatzen-Mitte ein. Betroffen waren drei VW Polo, ein VW Golf und ein Seat Arosa, die an der Hohenrode, der Langen Weihe und am Kastanienweg parkten. Zum Vergleich: 2016 gab es offiziell nur einen Fall, im Jahr darauf zwei. 2020 nahm die Polizei offiziell drei Anzeigen dieser Art auf. Dabei gibt es noch eine Dunkelziffer, denn nicht jeder Diebstahl wird auch angezeigt.

Auch Autohändler betroffen

Der Laatzener Gebrauchtwagenhändler Bassam Wehbeh beziffert den ihm durch gestohlene Katalysatoren zugefügten Schaden auf mehrere Tausend Euro. Schon diverse Male hätten Kriminelle auf seinem Gelände zugeschlagen. „Die haben Geräte dabei, um das Auto anzuheben, gehen darunter, setzen die hydraulische Schere an und klauen ratzfatz den Partikelfilter“, sagt Wehbeh.

Die Täter gehen durchaus rabiat vor. Mehrmals seien bei seinen Fahrzeugen nicht nur der begehrte Teil der Abgasanlage herausgeschnitten, sondern auch die Steckverbindungen zu den Kabelbäumen gewaltsam durchtrennt worden. Das treibt den Schaden weiter in die Höhe. Häufig übersteigt dieser den Restwert der zumeist älteren Autos. Mehrere Fahrzeuge mit herausgeschnittenem Kat stehen inzwischen auf Wehbehs Hof. „Die bekomme ich nicht mehr verkauft.“ Zumal günstigere gebrauchte Ersatzteile aus naheliegenden Gründen kaum zu bekommen sind. Der Markt ist leer gefegt. Die Täter seien Profis und kaum zu fassen, meint Wehbeh. „Dahinter steckt eine richtige Mafia“, meint der Händler, der auch eine Werkstatt betreibt. Er habe zuletzt schon darauf verzichtet, die Diebstähle anzuzeigen.

Polizei Burgdorf fasst Bande

Die Polizei in Burgdorf hatte gerade erst eine Bande gefasst, die bei einem örtlichen Autohändler mehrere Katalysatoren gestohlen hatte. Die drei Täter, die keinen festen Wohnsitz haben und deshalb inzwischen in Untersuchungshaft sitzen, konnten unter anderem durch Videoaufnahmen aus einer Überwachungskamera gefasst werden.

In Laatzen hingegen ist die Situation anders. BMW-Besitzer Thorsten Schulz wird vermutlich auf den Reparaturkosten sitzen bleiben. Weder ist er für derlei Schäden versichert noch scheinen die Chancen groß, die Diebe zu fassen. Diese haben offenbar völlig unbemerkt in der Tiefgarage an seinem sowie den anderen Fahrzeugen werkeln können. Videoaufnahmen gibt es nicht, denn die Kameras sind, wie Schulz inzwischen erfahren hat, seit langer Zeit außer Betrieb.

BU: Thorsten Schulz steht vor seinem 20 Jahre alten BMW, bei dem Kriminelle im April unerkannt den Feinstaubfilter entfernten. Außer ihm sind in der Tiefgarage Domagkstraße noch weitere Autobesitzer betroffen. Fotos: Daniel Junker

Quelle: Leine-Nachrichten v. 23.04.2021